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Plündernd und mordend war die Bremer SA in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 durch die Stadt gezogen. Fünf jüdische Mitbürger wurden ermordet, die Synagoge im Schnoor in Brand gesetzt. Die zweite Synagoge - in Aumund - hatten die Rollkommandos offenbar vergessen.

1932 gründeteten sich in Thüringen die Deutschen Christen, als nationalsozialistischer Ableger der protestantischen Kirche. Im Sinne der NS-Ideologie strebten sie eine Gleichschaltung religiöser Organisationen an. In den ersten Jahren nach Hitlers’ Machtergreifung schlosen sich viele Gemeinden dem neuen Dachverband an. Auch in Bremen trieben die Deutschen Christen unter Führung des Dompastors Weidemann die Eingliederung voran. Friedhelm Denkhaus, neuer Pastor in Immanuel, musste sich für den zukünftigen Weg seiner Gemeinde entscheiden. Sein Bekenntnis zur Trennung von Staat und Kirche kam schnell – und blieb erwartungsgemäß nicht ohne Folgen. Und auch der Krieg selbst sollte die Immanuel-Gemeinde auf eine harte Probe stellen. 

Am 24. Juni zog ein endloser Trauerzug von St. Marien zum Waller Friedhof. Beerdigt wurden an diesem Tage vier sechsjährige Schülerinnen der katholischen Marienschule am Steffensweg, die dem Amok eines "Lehramtskandidaten" zum Opfer gefallen waren.

Umstritten war, handelte es sich um die Tat eines Wahnsinnigen oder stand sie im Zusammenhang mit den konfessionellen Spannungen im Kaiserreich?

Die zahlreichen polnischen Arbeiterinnen auf der Jute waren streng katholisch. Bedingung für eine Heirat war daher, dass für sie nur ein solcher Partner in Frage kam. Das galt in den 1930er Jahren auch in der Familie von Ella Schrader. Und dann kam einer, ohne Glauben und dazu noch Kommunist - das war undenkbar.

Die katholische Kirche von St. Marien von 1898 befand sich inmitten von "Feindesland": im roten Bremer Westen, einer Hochburg von Sozialdemokratie und Kommunistischer Partei. Noch in der Gemeindechronik von 1949 schrieb der Chronist der Marienkirche:

Jugendfreizeitheime, "Freizis", das wäre in den 1950er Jahren ein Fremdwort gewesen. Jugendarbeit fand in den Sportvereinen statt - und in den Kirchengemeinden. In Walle hatte sich vor allem die Immanuelgemeinde auf diesem gebiet stark engagiert. Gemeindehaus und Kapelle in der Elisabethstraße, beide eher unscheinbar in die Häuserreihe eingefügt, wurden für Generationen von Jugendlichen zur zweiten Heimat.

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