| Werften


Tristesse im Überseehafen.  Das alte Hafenkonzept war an seine Grenzen gestoßen. Nach dem Aus des "Vulkan" drohte die nächste Katastrophe: ein asiatischer Investor prüfte den Kauf der altehrwürdigen Bremer Lagerhausgesellschaft. Heinz Bamberger gestaltete den Wandel zum internationalen Logistikkonzern mit.
 

Im Winterhalbjahr veranstaltet das Geschichtskontor das "Erzählcafé" auf der MS-Friedrich. In anheimelnder Atmosphäre kommen Gäste zu Wort, die in ungezwungener Umgebung bei "Kaffee und Keks" von ihren Erfahrungen auf See, im Hafen oder auf der Werft berichten. Begleitet von Günter Reichert von der Gröpelinger Geschichstwerkstatt, erzählte Heinz Rolappe 2012 vom Verein "Use Akschen".
Mehrere Audios,  7 min

Heute erinnert nur noch eine kleine Straße daran, dass hier einmal die mächtige AG Weser war. "Use Akschen" heißt die Straße, genau so, wie die Werft nicht nur von den Werftarbeitern genannt wurde. Sie ist ein Bremen-Mythos, ähnlich wie der Norddeutsche Lloyd oder Borgward. Alle längst untergegangen. Das Ende der AG Weser kam 1983. Am 31. Dezember machten die Tore für immer dicht. Der Anfang vom Ende aber, meint Wolfgang Walter, ehemaliger Leiter der Projektabteilung der AG Weser, begann schon viel früher.


"Vererbte Solidarität", das war die Stärke der Belegschaft der AG Weser. Es fanden sich sogar Leute aus den eigenen Reihen in der Bürgerschaft - heute kaum noch vorstellbar. Heinz Rolappe schildert hier lebhaft die politische Atmosphäre auf der Werft.

Unkonventionell und bürgernah, so kennt man ihn in Bremen. Henning Scherf war als Bürgermeister ohne Personenschutz auf dem Fahrrad unterwegs. Ein Bürgermeister zum Anfassen, der die Nähe der Menschen suchte. Das war schon immer so. Zum Beispiel 1983 und 1984 - zu der Zeit war er in Bremen Landesvorsitzender der SPD und Senator für Jugend und Soziales - ging er im Sommer als Kaffeepflücker nach Nicaragua, als Sympathisant der sandinistischen Revolution. "Ich wollte den Campesinos zeigen, ihr seid nicht allein in diesem Bürgerkrieg gegen die Contras." (Interview in der FR 2009). Zehn Jahre vorher, in den Parlamentsferien 1973, wollte er die Arbeit und die Arbeiter auf der AG Weser kennenlernen.

"Hart aber herzlich - eine Bande wie Seeräuber". So sieht Heinz Rolappe seine Gruppe vom Rohrbau in der Nachkriegszeit. Die Arbeit auf der AG Weser war geprägt von extrem harten Bedingungen. Reine Muskelkraft war besonders gefragt.



Der Bremer Vulkan ist zum Mythos geworden. Für Hasso Kulla, den ehemaligen Betriebsrat, war der Bockkran auf der Werft  das Vegesacker Wahrzeichen. Als Waltraud Schmidt das erste Mal den Arbeitsplatz ihres Mannes betrat, erschrak sie über den Lärm und Dreck.

Siebzehn Jahre alt war Waltraud Schmidt, als ihr Vater loszog, um seinen vermissten Schwager nach dem Bombenangriff auf die Werft zu suchen. So bahnte sich die Realität in den ganz normalen Familienalltag und führte das Pathos der Propaganda vom heldischen Kampf ad absurdum.

Für die Menschen in Woltmershausen und Rablinghausen waren die Atlas-Werke am gegenüberliegenden Weserufer ein bedeutender Arbeitgeber. Über Jahrzehnte liefen hier Schiffsneubauten vom Stapel, daneben produzierte man technisches Zubehör wie Propeller, Rudermaschinen, Echolote, Kessel - und später auch Radaranlagen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen schiffbauunabhängige Fabrikationsbereiche hinzu.

Syndicate content