| Die Küste


Das Seemannsheim der Deutschen Seemannsmission liegt im Stephaniviertel, ein Klinkerbau von 1955. Heute ist es eine kleine Pension für alle, die auf Durchreise sind: egal ob Seeleute oder nicht. Früher kamen hier keine Landratten unter. In den 1960er Jahren, als im Hafen Hochbetrieb war, es Tage brauchte, um ein Schiff zu löschen. Als die Seemänner auf eine neue Heuer warteten und hier die Zeit totschlugen. Und das war selbst dem Seemannspastor oft zuviel.

 

 

Mit dem Radio- und Fahrradgeschäft war es nicht gut gegangen. Dafür startete Hermann Uhlhorn 1957 eine Karriere auf Bremens sündiger Meile an der Nordstraße. Voraussetzung für seinen Aufstieg zum Geschäftsführer: Der Mann musste schlagkräftig sein.

In den 70er Jahren ist ein Gesundheitscheck für die Prostituierten des Hafenviertels unerlässlich, um eine Gesundheitskarte zu erhalten. Nur so können sie legal ihrem Gewerbe nachgehen. Wurde einer dieser Damen die Karte entzogen, tauchte auch schon mal ihr Zuhälter in voller Türbreite im Amtszimmer auf.

 


Der erste Arbeitstag der neuen, noch sehr jungen Sekretärin des Hafengesundheitsamtes, Anita Jerzembeck, ist mit viel Aufregung verbunden. Sie wird unter anderem die Gesundheitschecks der Frauen aus dem Rotlichtviertel im Hafen durchführen müssen.
Sie begegnet ihnen früher, als sie denkt. 

 

Interview: Frauke Wilhelm mit Anita Jerzembeck; 2005
Schnitt: Birgitta Herzer 2008

 


Zahnschmerzen auf hoher See und kein Zahnarzt an Bord, das kann sehr unangenehm werden. Wie wichtig ist da ein Gesundheitscheck an Land.Die Konfrontation gestandener Seeleute mit der jungen Sekretärin des Hafenarztes Dr. Fallinger ist allerdings nicht weniger abenteuerlich. Da wird aus der Geschlechtskrankheit "Schanker" schon schnell einmal "Shanghai". Anita Jerzembeck erinnert sich an die 70er Jahre im Gesundheitsamt.

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