| Arbeitswelten


Über 10 Jahre stand Ursula Stütelberg, genannt "Ulli", im Lokal ihres Vaters hinter dem Tresen. Bis ins 15. Jahrhundert lässt sich die Kneipentradition der Familie zurückverfolgen, so haben die König’s herausgefunden. Georg "Schorse" König lernte das Kneipenleben zuerst im legendären "Fährhaus Wähmann" kennen, später eröffnete er sein eigenes Lokal - "Zu den drei Linden" - am Steffensweg. Im August 1944 legten es britische Bomber in Schutt und Asche. 1953 unternahm er einen zweiten Anlauf und begründete das "Cafe König" an der Bremerhavenerstraße.

Als 14jähriges Mädchen begann Ella Schrader 1930 ihre Arbeit in derselben Fabrik, die einst die Mutter aus Polen angeworben hatte: in der "Bremer Jute Spinnerei und Weberei". Sie wollte raus aus der Fabrik.

Asbestose - eine Diagnose, die Schrecken verbreitet. Auch der Schiffs- und Stahlbauschlosser Fritz Bettelhäuser arbeitete auf der Werft lange Zeit mit dem krankmachenden Stoff, ebenso wie sein Kollege Ralf Spalek. Für die Liste "Echolot", eine linke Opposition gegen die SPD-Gewerkschaftler, organisierten die Betriebsräte den Widerstand gegen Asbest. In aller Munde war dann die Ablehnung des Umbaus eines asbestverseuchten Schiffs, dass dem Vulkan mitten in der Krise einen Riesenauftrag in Aussicht stellte. Die Berechtigung ihres Widerstandes sollten beide später am eigenen Leib erfahren.

 

Viele Bremer  "Strootenmakers" kamen aus dem Steinsetzerdorf Arsten. Aber auch die Straßenbaufirmen stammten aus Arsten. Hier entstanden im 19. Jahrhundert ab 1860 die ersten Unternehmen. Über 100 Jahre waren fast alle Bremer Straßenbaufirmen in Arsten ansässig. Das heißt, Arbeiter und Unternehmer waren Nachbarn - im Arbeitskampf allerdings standen sie auf verschiedenen Seiten. Die Arster Steinsetzer waren früh und gut organisiert, in der Gewerkschaft, in der SPD. Die rote Steinsetzerfahne halten sie immer noch in Ehren.

 

Mitten im Dorf hat der Bildhauer Eberhard Szejstecki den Arster Steinsetzern ein Denkmal gesetzt. Ganze Dynastien von Steinsetzerfamilien sind hier zu Hause. Großvater, Vater, Sohn, Onkel, Bruder - allesamt Steinsetzer, das ist nicht außergewöhnlich. Von manchen Jahrgängen gingen beinah alle Schulabgänger bei den Steinsetzern in die Lehre. Bis heute sind sie stolz auf ihre Arbeit.

Tristesse im Überseehafen.  Das alte Hafenkonzept war an seine Grenzen gestoßen. Nach dem Aus des "Vulkan" drohte die nächste Katastrophe: ein asiatischer Investor prüfte den Kauf der altehrwürdigen Bremer Lagerhausgesellschaft. Heinz Bamberger gestaltete den Wandel zum internationalen Logistikkonzern mit.
 

Fragen Sie mal einen Bremer, was ein Küper ist: Da fällt ihm wahrscheinlich ein, das habe was mit dem Hafen zu tun. Jan Klinckradt hat diesen Beruf 1957 im Schuppen 14 erlernt, bei der altehrwüdigen Bremer Handelsfirma Bachmann - gegründet 1775. Heute besitzt er selbst einen Hafenbetrieb, der das seinerzeit erworbene Wissen mit der Neuzeit verknüpft.

Die zahlreichen polnischen Arbeiterinnen auf der Jute waren streng katholisch. Bedingung für eine Heirat war daher, dass für sie nur ein solcher Partner in Frage kam. Das galt in den 1930er Jahren auch in der Familie von Ella Schrader. Und dann kam einer, ohne Glauben und dazu noch Kommunist - das war undenkbar.

Die katholische Kirche von St. Marien von 1898 befand sich inmitten von "Feindesland": im roten Bremer Westen, einer Hochburg von Sozialdemokratie und Kommunistischer Partei. Noch in der Gemeindechronik von 1949 schrieb der Chronist der Marienkirche:

Im Winterhalbjahr veranstaltet das Geschichtskontor das "Erzählcafé" auf der MS-Friedrich. In anheimelnder Atmosphäre kommen Gäste zu Wort, die in ungezwungener Umgebung bei "Kaffee und Keks" von ihren Erfahrungen auf See, im Hafen oder auf der Werft berichten. Begleitet von Günter Reichert von der Gröpelinger Geschichstwerkstatt, erzählte Heinz Rolappe 2012 vom Verein "Use Akschen".
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"Richtiger" Kaffee war nach dem Zweiten Weltkrieg ein Luxusgetränk, auf dem Schwarzmarkt galt er als eine der "Leitwährungen" hinter der Zigarette. Aber auch in den 50er Jahren kam der Bohnenkaffee nur an  Sonntagen oder bei besonderen Anlässen wie einer Konfirmation auf den Tisch. Die hohen Preise hatten den Verkauf in kleinen Portionen zu Folge.  Die Kaffeerösterei Münchhausen hatte dafür eine geniale Verkaufsidee, für die Jürgen Segelken zuständig war.


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