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Bei den Arbeitern im Hafen waren sie nicht sonderlich beliebt, die "Hafenförster". So titulierten sie die Zöllner, an deren Kontrollposten sie nach Feierabend jedesmal vorbei mussten. Da herrschte mitunter ein rauer Ton, wenn zum Beispiel die Körner für den heimischen Hühnerstall aus der Getreideverkehrsanlage im "Zampel" entdeckt wurden. Der "Zampel" war die Vorrichtung unter Jacke oder Mantel, in der das Schmuggelgut versteckt war. Die Vorschriften waren streng, auch in der Behörde, mitunter grenzten sie auch an absurdes Theater.

In den bremischen Häfen nach 1945: statt geschäftigem Treiben tote Hose. Die deutschen Schiffe: versenkt oder beschlagnahmt. Die Küstenschifffahrt wird mit alten Kähnen betrieben. Die Überseeschifffahrt - von den Alliierten zuerst verboten, dann, bis 1951, beschränkt. Ein desolater Zustand. Für die Jugendlichen aus dem Bremer Westen aber, erzählt Sigrid Bauermeister, waren die Hafenbecken ein großes Spaßbad: verboten und gefährlich, aber ungeheuer reizvoll.

Das Seemannsheim der Deutschen Seemannsmission liegt im Stephaniviertel, ein Klinkerbau von 1955. Heute ist es eine kleine Pension für alle, die auf Durchreise sind: egal ob Seeleute oder nicht. Früher kamen hier keine Landratten unter. In den 1960er Jahren, als im Hafen Hochbetrieb war, es Tage brauchte, um ein Schiff zu löschen. Als die Seemänner auf eine neue Heuer warteten und hier die Zeit totschlugen. Und das war selbst dem Seemannspastor oft zuviel.

 

Heute erinnert nur noch eine kleine Straße daran, dass hier einmal die mächtige AG Weser war. "Use Akschen" heißt die Straße, genau so, wie die Werft nicht nur von den Werftarbeitern genannt wurde. Sie ist ein Bremen-Mythos, ähnlich wie der Norddeutsche Lloyd oder Borgward. Alle längst untergegangen. Das Ende der AG Weser kam 1983. Am 31. Dezember machten die Tore für immer dicht. Der Anfang vom Ende aber, meint Wolfgang Walter, ehemaliger Leiter der Projektabteilung der AG Weser, begann schon viel früher.

Stundenlang unter Wasser gehalten und sie entzünden sich an der Luft trotzdem wieder. Die Rede ist von brennenden Baumwollballen. Diese oder Fischmehlbrände auf Schiffen bedurften spezieller Brandbekämpfung.

Das waren noch Zeiten: Da feierte man ein Jubiläum, als der hundertste Container umgeschlagen wurde. Hans Jacob arbeitete damals beim Schiffsmakler Dauelsberg. Er erinnert sich, wie misstrauisch auch die Bremer Hafenwirtschaft der "amerikanischen Kiste" anfangs gegenüberstand. Und was damals alles schief gehen konnte.


 

Mit dem Radio- und Fahrradgeschäft war es nicht gut gegangen. Dafür startete Hermann Uhlhorn 1957 eine Karriere auf Bremens sündiger Meile an der Nordstraße. Voraussetzung für seinen Aufstieg zum Geschäftsführer: Der Mann musste schlagkräftig sein.

In den 70er Jahren ist ein Gesundheitscheck für die Prostituierten des Hafenviertels unerlässlich, um eine Gesundheitskarte zu erhalten. Nur so können sie legal ihrem Gewerbe nachgehen. Wurde einer dieser Damen die Karte entzogen, tauchte auch schon mal ihr Zuhälter in voller Türbreite im Amtszimmer auf.

 


Der erste Arbeitstag der neuen, noch sehr jungen Sekretärin des Hafengesundheitsamtes, Anita Jerzembeck, ist mit viel Aufregung verbunden. Sie wird unter anderem die Gesundheitschecks der Frauen aus dem Rotlichtviertel im Hafen durchführen müssen.
Sie begegnet ihnen früher, als sie denkt. 

 

Interview: Frauke Wilhelm mit Anita Jerzembeck; 2005
Schnitt: Birgitta Herzer 2008

 


Zahnschmerzen auf hoher See und kein Zahnarzt an Bord, das kann sehr unangenehm werden. Wie wichtig ist da ein Gesundheitscheck an Land.Die Konfrontation gestandener Seeleute mit der jungen Sekretärin des Hafenarztes Dr. Fallinger ist allerdings nicht weniger abenteuerlich. Da wird aus der Geschlechtskrankheit "Schanker" schon schnell einmal "Shanghai". Anita Jerzembeck erinnert sich an die 70er Jahre im Gesundheitsamt.

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