| Alltag


Schon in den 1920er Jahren bauten die ersten Bremer eine Art Kaisenhäuser im Grünen, auf Erbpachtland der Bauern. Der Senat sah das nicht gerne, duldete diese "wilden" Siedlungen angesichts des Wohnungmangels aber notgedrungen. "Wohnbuden" nannte er diese  kleinen Häuschen aus Holz, die aber meist größer waren als die nach dem 2. Weltkrieg legalisierten Kaisenhäuser. Die Leute in den Wohnbuden hatten wenig Geld, aber mitunter große Träume. Dann konnten sich dramatische Dinge ereignen.

 

 

Bilder vom Schwimmen in Flüssen, Bilder von längst vergangenen Sommertagen: Ein schmaler Streifen Strand, das Band der Weser, Jungen und Mädchen im Wasser, die Familie beim Picknick auf der Uferböschung. Nach 1945 war das Baden in der Weser eines der wenigen Vergnügen, das sich Familien leisten konnten. Sigrid Bauermeister fuhr zum Baden nach Mittelsbüren.

Hunger und Kälte, das war Alltag in den Bremer Nachkriegsjahren. Man musste schauen, wie man zu was kam. Egal, ob Kohlen oder Kartoffeln. Das wussten schon die Kurzen und stromerten durch den Hafen. Sigrid Bauermeister wuchs in Oslebshausen auf, dort arbeitete man im Hafen, bei der AG Weser - oder auch bei der Bahn. Daher kannten sich die Familien auf dem Rangiergelände bestens aus. Zum "Organisieren" nahmen die Kinder ihren Sack schon zur Schule mit.

 

 

 

 

Aus ganz Bremen zogen die Leute mit dem Handwagen zum Gaswerk, um dort Koks zu kaufen. Dort war er am billigsten.

Wenig zu essen, dreimal gewendete Kleider, nichts zum Heizen. Eine Kindheit in der Nachkriegszeit - nur reich an Entbehrung? Aber ein glückliches Leben ist nicht identisch mit Wohlstand und Rundumversorgung. Sigrid Bauermeister über kleine Freuden im kriegszerstörten Bremen.

 

1980. Nichts ist so normal wie eine Waschmaschine. Aber Else Bruns wäscht immer noch von Hand auf ihrem Waschbrett. Bis sie auf ihre alten Tage doch noch mit der Mode geht und sich eine Waschmaschine gönnt. Aber nicht irgendeine: Es muss schon der "Mercedes unter den Waschmaschinen" sein.
Fidi Bruhns erzählt von seiner Mutter und ihrer ersten Miele.

Nach den Kriegsjahren. Einschulung in der stehen gebliebenen Schleswiger Schule im Oktober 1945. Auch die Kinder der Kaisenhausbewohner in der Waller Feldmark gehen hier zur Schule. Eng war es auf den Schulbänken, zu viele Schüler für zu wenig Lehrer. Aber den Luxus der Duschen gab es und die Schulspeisung – eine echte Hilfe, wie die ehemalige Schülerin sagt. In einer Zeit, in der es ansonsten nur  wenig gab.

Nach dem Zweiten Weltkrieg: eine junge Frau, die zu gerne in einem der großen Säle zum Tanz geht. Wie viele andere auch. Die fehlende Ausgehkleidung ist jedoch ein Problem. Sie wird geliehen und manchmal kommt zur großen Freude ein Paket von der Verwandtschaft in Amerika - auch ein paar weiße Schuhe sind dabei, die kurzerhand umgefärbt werden. "Wir haben auch unseren Spaß gehabt!"

 

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