| Krieg


Neun Monate hatte es nach der Invasion in der Normandie gedauert, bis die Allierten die deutschen Truppen hinter den Rhein zurückgedrängt hatten. Nachdem sie am 24. März 45 den Rhein überquert hatten, ging alles ganz schnell. Nicht einmal vier Wochen später standen britische Soldaten vor den Toren Bremens. Eine Bremerin notierte ins Tagebuch: "Was wird, weiss niemand, wilde Gerüchte laufen um. Man fasst nicht, was geschieht, man fühlt nur einen wehen Schmerz."

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Unzählige Familien trauerten nach 1945 um den Verlust der Heimat, über sieben  Millionen Menschen kamen nach Westdeutschland, auf der Flucht vor der Roten Armee oder als Vertriebene. Auch nach Bremen. Margarete Reiter kam als Jugendliche an, Rudi Geisler war noch ein Kind. Beide stammten aus Schlesien, beide lebten bis dahin auf einem Bauernhof. Warmherzig empfangen wurden beide nicht.


Als Frau Jacke in den 60er Jahren in der Rolandmühle zu arbeiten begann, sprach man nicht über die Zwangsarbeiter in der Zeit des Nationalsozialismus. Oder man wollte es vergessen. Aber dort traf sie auf einen älteren Kollegen, der aus freien Stücken und mit Einfühlung über das Schicksal dieser Verschleppten sprach.


Findorff zwischen Hemm- und Worpsweder Str., in der Bildmitte die Falkenberger Straße

Die Familie von Luise Nordhold war in Gröpelingen schon zwei Mal ausgebombt worden. Dann fanden sie im Sommer 1944 bei Findorffer Freunden Unterschlupf. Doch dort wurde es nur noch schlimmer.

Ein schmuckloser Grabstein auf dem Wasserhorster Friedhof erinnert an eines der brutalsten Verbrechen der Nachkriegszeit.
NS-Opfer, ehemalige Zwangsarbeiter, waren zu Tätern geworden, hatten im November 1945 im Bremer Blockland einen Bauernhof überfallen und zwölf Menschen erschossen. Nur einer überlebte das Massaker - und gerade er reichte den Schuldigen die Hand. Ein ungewöhnlicher Fall von Vergebung - zumal für eine Zeit, in der die Versöhnlichkeit nicht hoch im Kurs stand.

Im Zuge ihres "Pflichtjahres" arbeitete Gerda Vogel 1942 als 16-Jährige auf einem Hof im Bremer Umland. Harte Arbeit, Heimweh, Leben mit der Bauersfamilie – und zwei Franzosen, die als Zwangsarbeiter auf dem Hof sind.

"Volkssturm", so nannten die NSDAP ihr letztes Aufgebot zur Verteidigung des "Deutschen Heimatbodens". Als im Oktober 1944 mit Aachen die erste deutsche Stadt in die Hände der Allierten gefallen war, entstand unter der Parole "Ein Volk steht auf" das letzte Aufgebot. Die Bewaffnung war miserabel, die militärische Ausbildung ein Schnellkursus, selbst an Uniformen haperte es. So behalf man sich mitunter mit Reichsbahner-Uniformen oder begnügte sich mit einer Armbinde über der Zivilkleidung.

Siebzehn Jahre alt war Waltraud Schmidt, als ihr Vater loszog, um seinen vermissten Schwager nach dem Bombenangriff auf die Werft zu suchen. So bahnte sich die Realität in den ganz normalen Familienalltag und führte das Pathos der Propaganda vom heldischen Kampf ad absurdum.

Einen Abenteuerspielplatz brauchten die Bremer Butjer in den 1950er Jahren ganz bestimmt nicht. Die Trümmerlandschaft im zerstörten Bremer Westen war für die Kinder der natürliche Spielplatz. Herbert Poppe aus Utbremen sieht die zerstörte Stadt noch deutlich vor sich.

 

 

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