Bremen in der Hanse – Ein unbequemer Bundesgenosse

Gemälde in der Oberen Rathaushalle, das Hansekontor in Antwerpen

Sie hatten zu viel Selbstbewusstsein, die Bremer. Rund um die Nordsee hatten sie sich schon vor Auftreten der Hanse ein starke Position erkämpft, besaßen wichtige Privilegien in Bergen wie in London. Als nun auch die Lübecker und Hamburger ihr bisheriges Geschäft von der Ostsee in die Nordsee ausdehnten und auch im Bremer Revier Handel treiben wollten, waren diese „Kollegen“ den Bremern lästig. Als die Hanse dann den Norwegern mit einem Handelsembargo drohten, eskalierte der Konflikt. Die Bremer wollten ausscheren, hatten sie doch mit der Stadt Bergen beste Handelskontakte. Prompt werden sie im Jahr 1285, nach nur 25 Jahren Mitgliedschaft, aus dem Bündnis ausgeschlossen.

So ging es weiter hin und her. Als die Bremer wieder der Hanse beitraten, geschah das nicht aus eigenem Antrieb. Sie hatten nämlich den Bogen überspannt. Als die Hanse Mitte des 14. Jahrhunderts eine Handelsblockade aller Fernhändler aus deutschen Landen gegen Flandern ausrief, witterten die Bremer hohe Gewinne. Mit ihren Koggen liefen die Bremer Händler gezielt die boykottierten flandrische Häfen an. Doch das war nicht alles. Mitten in Bremen durften friesische Piraten ihr Raubgut verkaufen. Als Spitze der Provokation gingen vereinzelte Bremer Schiffer selbst auf Kaperfahrt, um ausgerechnet die Koggen anderer Hansestädte zu überfallen.

Die Hanse machte massiv Druck, Bremen drohte ein Boykott der geballten Macht der Hanse, damit wären alle Häfen rund um Ost- und Nordsee versperrt gewesen. Widerwillig unterwarf sich Bremen nach annähernd 100 Jahren Unabhängigkeit und akzeptierte einen erneuten Beitritt zur Hanse. 1358 musste es sich nicht nur den Richtlinien des Bundes unterwerfen, obendrein war es künftig verpflichtet, ausgerechnet den Hamburger Konkurrenten bei Gefährdung ihres Seewegs militärisch zur Seite zustehen. Eine umgekehrte Beistandsverpflichtung gab es nicht. Geschadet hat den Bremern diese Unterwerfung nicht, die Geschäfte der Fernhändler gediehen weiter und die Hanse erkämpfte auch für die Bremer Händler Privilegien, welche die bisherigen Konditionen übertrafen. Der Reichtum der Stadt stieg auf unbekannte Höhen, das neue gotische Rathaus von 1400 zeugt noch heute vom gewachsenen städtischen Selbstbewusstsein.

Das Bremer Rathaus, Ausdruck von Reichtum und Selbstbewusstsein, ©Landesamt für Denkmalpflege

 

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