Heinz Rolappe im Erzählcafé

Das „Erzählcafé“ auf der MS-Friedrich: In anheimelnder Atmosphäre kommen Gäste zu Wort, die in ungezwungener Umgebung bei „Kaffee und Keks“ von ihren Erfahrungen auf See, im Hafen oder auf der Werft berichten. Begleitet von Günter Reichert von der Gröpelinger Geschichtswerkstatt, erzählte Heinz Rolappe 2012 vom Verein „Use Akschen“.

Heinz Rolappe, der nach nur kurzer Zeit im Klempnerhandwerk ein ganzes Arbeitsleben auf der Werft verbrachte, erinnerte sich zu den Bildern des Fotografen Georg Hoffmann. Dieser Arzt machte in den 50er Jahren eindrucksvolle Bilder von der Arbeit auf der Werft. Zusammen mit den Erinnerungen von Heinz Rolappe entstand ein plastisches Bild von den Arbeitsbedingungen auf einer Werft der 50er Jahre.

Mit 50 Kilo auf die Leiter

Mühselig und kräftezehrend war die Schufterei auf der Werft, davon macht sich heute kaum jemand ein Bild. Die Mitarbeiter mussten äußerst schwere Lasten mit bloßer Muskelkraft und geschicktem Ausbalancieren zig Meter hoch transportieren. Auch in den folgenden Jahrzehnten gab es kaum Erleichterungen durch elektrisch bediente Plattformen, Winden und ähnliche Maschinerie. Nahezu jeder zweite Werftarbeiter hatte – so die Statistiken – ab dem 50sten Lebensjahr Probleme mit dem Rücken. In anderen Industriezweigen kam es zu weniger Erkrankungen ähnlicher Art.

 

Ohne Helm und sichere Schuhe

Die Bedingungen, unter denen damals die Schiffswände genietet wurden, entsprachen keinesfalls den heute geltenden Sicherheitsbestimmungen. Arbeitsschutz und Unfallverhütung rückten erst später in das Blickfeld der Gewerkschaften.

 

 

 

 

 

 

Jedes Schiff forderte seine Opfer

Ein schweres Unglück auf der Werft war damals kein Einzelfall. Die Arbeiter selbst mussten für ihre und die Sicherheit ihrer Kollegen sorgen, indem sie sorgfältig und gewissenhaft arbeiteten. Eigens dafür ausgebildete Ingenieure, die Gefahrenherde aufspürten und entschärften, gab es noch nicht. Immer wieder bemängelte die Gewerbeaufsicht auf den Werften defekte Leitern, beschädigte Gitterroste, um nur einige zu nennen. Waren die Fristen verstrichen, in denen die Arbeitgeber Abhilfe schaffen sollten, waren die Schiffe oft genug schon fertiggestellt und ausgelaufen.

 

Wenn der Werkschutz kommt

Die werksinternen Aufsichtskräfte waren bei den Werftarbeitern, gelinde gesprochen, wenig beliebt. Kein Wunder: Sie sollten in erster Linie das Wohlverhalten der Arbeiter überwachen. Die eigentlichen Gefahrenherde interessierten sie weniger. Heinz Rolappe wusste aber schon, wie er unerwünschten Besuch auf Abstand hielt.

 

 

 

 

 

 

 

Interview: Achim Saur mit Heinz Rolappe (Use Akschen), 2011
Schnitt: Olaf Jürss, 2011
Fotos: Landesinstitut für Schule, Georg Hoffmann

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