Arbeit und Freizeit

Dorfschmiede in Rablinghausen, um 1900
Viele Jahrhunderte bildete die Landwirtschaft die Lebensgrundlage der Menschen in den Dörfern der bremischen Landgebiete. Schmiede waren geachtete Dorfbewohner, sorgten sie doch dafür, dass Pflugscharen, Wagendeichseln oder Pferdegeschirre jederzeit repariert werden konnten. Bis 1860/61 gab es keine Gewerbefreiheit und keine Recht auf Freizügigkeit, d.h. freies Niederlassungsrecht. Bis dahin achteten die Zünfte streng darauf, wem sie eine „concession“ für ein Gewerbe erteilten.

Fähre „Pusdorp“, um 1950
Gröpelingen und Woltmershausen waren früher Nachbarstadtteile, die durch die Weser miteinander verbunden und nicht, wie heute, durch den Fluss getrennt waren. Zahlreiche Fähren, einige sogar kostenlos, bildeten das Band zwischen den Dörfern des linken und rechten Weserufers, private Ruderboote, die gegen Entgelt Passagiere über die Weser setzten, ergänzten diesen Service. Die Gröpelinger kamen zum Baden ans linke Weserufer, die Arbeitsplätze der meisten Woltmershauser lagen in den Häfen am rechten Ufer.

Triebwagen der „Linie 7“ auf letzter Fahrt, 1965
Bereits Ende des 19. Jahrhunderts zuckelte eine Pferdebahn bis zum Hohentor. Bald wurde sie durch die „Elektrische“ ersetzt, die immer wieder verlängert wurde, bis die Gleise 1933 an der Gaststätte „Landlust“ in Rablinghausen endeten. Von dort konnte man Lankenau in einem bequemen Fußmarsch erreichen, und die „Linie 7“ war das favorisierte Verkehrsmittel, wenn es den Stadtbremern galt, schnell zu den Freizeitstätten am linken Weserufer zu kommen. 1965 stellten die städtischen Verkehrsbetriebe die „Linie 7“ ein, alle Proteste der Pusdorfer hatten nichts bewirkt. Seit damals verbinden Busse die „hinter dem Tunnel“ liegenden Stadtteile mit der Bremer Innenstadt.

 

 

Timmermanns Badeanstalt, um 1920
In Timmermanns Badeanstalt führte ein langer Steg direkt auf die Sprunganlage mitten im Fluss. Nicht wenige Woltmershauser Kinder lernten hier das Schwimmen an der Angel des Schwimmmeisters. Als 1910 der sich ausbreitende Holzhandel der Flussbadeanstalt das Bleiberecht streitig machen wollte, erhob sich im Stadtteil ein Sturm der Entrüstung. Auch die Waller und Gröpelinger schlossen sich den Protesten an und waren schließlich erfolgreich. So überlebte Timmermanns Badeanstalt inmitten von Gewerbebetrieben.

Die Rablinghauser „Landlust“, um 1930
Dass die „Landlust“ an der Endhaltestelle der „Linie 7“ lag, bescherte der Gaststätte einige zusätzliche Gäste, die auf die Abfahrt der nächsten Straßenbahn warten mussten. Für die Stadtteilbewohner war die „Landlust“ ein Ort, an dem sich gut feiern ließ, an Samstagabenden ebenso wie bei privaten Familienfeiern. Gaststätten, die mit Tanzsälen ausgestattet waren, gab es im Stadtteil etliche, außer der Landlust waren das „Odeon“, das „Elysium“ oder „Mudder Wähmann“ in Lankenau wohlbekannt.

„Freier Wassersportvereins Woltmershausen“ in der Hinzebucht, um 1930
Der Segelsport blieb lange Zeit den Wohlhabenden vorbehalten, schließlich kostete ein Boot „eine Stange Geld“. Doch in Woltmershausen, Rablinghausen und Lankenau wohnten viele, die auf den Werften am anderen Ufer ihr Brot verdienten und die ihr fachliches „Know-how“ nutzten, um ihre eigenen Schiffe zu zimmern. Im 1928 gegründeten „Freien Wassersportverein Bremen, Abteilung Weser“ fanden die sportinteressierten Arbeiter eine Heimat.

Text und Recherche: Veronika Zill

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