Die Atlas Werke

Für die Menschen in Woltmershausen und Rablinghausen waren die Atlas-Werke am gegenüberliegenden Weserufer ein bedeutender Arbeitgeber. Über Jahrzehnte liefen hier Schiffsneubauten vom Stapel, daneben produzierte man technisches Zubehör wie Propeller, Rudermaschinen, Echolote, Kessel, auch Radaranlagen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen schiffbauunabhängige Fabrikationsbereiche wie Meerwasserentsalzungsanlagen hinzu.

Stammbelegschaft
In den Kriegsjahren und in der Zeit des „Wirtschaftswunders“ waren bei den Atlas-Werken zeitweise über 3.000 Mitarbeiter beschäftigt. Viele von ihnen hatten dem Unternehmen bereits seit Jahrzehnten die Treue gehalten. Nicht Flexibilität war damals gefragt, sondern Firmentreue. Auch für Heinrich Heimsoth  war dies 1936 nicht das letzte Jubiläum: 25 Jahre später konnte er noch sein 50jähriges feiern, bevor er ein Jahr darauf in den Ruhestand ging.

Flakstation auf dem Dach der Atlas-Werke
Während des Krieges war das Unternehmen zum reinen Rüstungsbetrieb geworden. Zur Abwehr der zahlreichen Fliegerangriffe hatten die Atlas-Werke eigene Flak-Geschütze auf dem Dach eingerichtet, die von Mitarbeitern bedient wurden. Den ersten größeren Luftangriff gab es im Jahr 1941. Ihm sollten noch weitere 20 Angriffe der Alliierten auf das Werk folgen, bis bei Kriegsende schließlich 80 % der Bausubstanz zerstört waren.

Stapellauf, Mitte der 50er JahreTypisch für die Atlas-Werke war der Querhelgen, von dem aus die Schiffsneubauten zu Wasser gelassen wurden. Als im August 1955 der 3.200 BRT große Frachter „Atlas Hugo Stinnes“ vom Stapel lief, war die Werft die einzige in Europa, die Schiffe dieser Größenordnung auf einem Querhelgen produzierte. Im Dezember 1969 wurde der Schiffbau eingestellt.

Ingenieure und Arbeiter vor Propeller, um 1960Der Schiffspropeller war Teil des Firmenzeichens der Atlas-Werke. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es hier eine Bronzegießerei, in der die Schrauben für die großen Schnelldampfer gegossen wurden, auch für die legendäre „Bremen“ und später für die „Europa“. Nach dem Krieg wurde der Guss von Schiffspropellern nicht fortgeführt. Dafür montierte Atlas neu entwickelte Verstellpropeller aus Teilen der schwedischen Firma „KaMeWa“.

Das Ende der Atlas-Werke wurde bereits in den 1950er Jahren eingeleitet. 1964 wurden die noch intakten Bereiche des Unternehmens an den Krupp-Konzern verkauft, Mitte der 1970er Jahre schließlich riss man die Betriebsanlagen an der Weser ab.

 

Recherche und Text: Veronika Zill
Fotos: Kulturhaus Pusdorf

Mehr zur Geschichte der Atlas-Werke bei Hans-Hermann Precht: „Wir haben ja nicht nur ganz schöne Schiffe gebaut…“, Die Atlas-Werke 1945- 1965, Bremen 1987