Schüler auf Schienen

Die Bremer Straßenbahnunruhen im Januar 1968 sind längst Legende: Für viele Bremer der erinnerbarste Moment, in dem sie ein politisches Bewusstsein entwickelten. Die politischen Proteste wurden vor allem von Gymnasiasten und den Studenten der Hochschulen getragen. Dietmar Kohlrausch, damals Schüler am Alten Gymnasium, war von Anfang an bei den Protesten dabei.

Es gab Diskussionen gegen Bildungsnotstand und autoritäre Erziehung, Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg; Rudi Dutschke hielt im November 1967 eine Rede in der Lila Eule. Und dann eine politische Entscheidung, die die Besetzung der Straßenbahnschienen auslöste: Der SPD-Senat winkte eine Preiserhöhungen der BSAG durch. „Wir lassen uns nicht vom Druck der Straße erpressen,“ unterstrich Bürgermeister Hans Koschnick, und der Polizeipräsident Erich von Pock und Pollach gab den Befehl: „Draufhauen, draufhauen, nachsetzen!“ Frau Bürgermeister Annemarie Mevissen hingegen gelang es, die Situation zu deeskalieren: Berühmt ist ihre Rede, die sie, auf einer Streusandkiste stehend, vor den Schülern und Studenten auf der Domsheide hielt. Am Ende waren die Protestierenden erfolgreich. Bürgermeister Koschnick nahm die Fahrpreiserhöhung zurück.

Peter Zadek, der seit Anfang der 1960er Jahre als Regisseur am Bremer Theater arbeitete, hat über die Schülerproteste noch im Jahr 1968 einen Film gedreht, in dem der Kampf gegen die Fahrpreiserhöhung und die Besetzung der Straßenbahnschienen natürlich eine wichtige Rolle spielt. Vgl. dazu den Ausschnitt aus „Ich bin ein Elefant, Madame“.

Interview: Markus Meyer mit Dietmar Kohlrausch; 2003
Schnitt: Sabine Murken; 2010
Recherche / Text: Christine Spiess, 2012
Filmzitat: Peter Zadek: „Ich bin ein Elefant, Madame“, 1968. DVD erschienen bei Zweitausendeins Edition Deutscher Film

Weiterführende Informationen siehe hier.
Zum Weiterlesen: Detlef Michelers, Draufhauen, Draufhauen, Nachsetzen. Die Bremer Schülerbewegung, Straßenbahndemonstrationen und ihre Folgen 1967 / 68. Edition Temmen, Bremen 2002