Familie Schwarz-Platz

Eine Anwohnerin der Findorffstraße 99 erinnert sich an den 8. März 1943, den Tag, als  tausende Sinti und Roma in ganz Deutschland verhaftet wurden, um sie ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau zu deportieren – wie die Findorffer Familie Schwarz.

(Gesprochen vom Schauspieler Rolf Becker):

Die Benennung

Im Jahr 2021 beschloss der Beirat Findorff auf Initiative des Arbeitskreises „Erinnern an den März 1943“, den Vorplatz am Kulturzentrum Schlachthof in „Familie Schwarz-Platz“ zu benennen.  Eine offizielle Benennung wurde vom  Amt für Straßenbau und Verkehr bislang allerdings nicht genehmigt, da es sich um einen privaten Platz handele, der zur Bremer Messe GmbH gehört. Beirat und Arbeitskreis haben die Benennung dennoch vorgenommen, eine Infotafel und Straßenschilder herstellen lassen und werden den Familie Schwarz-Platz am 11. September 2022 feierlich einweihen.

Familie Schwarz

Der Musiker Wilhelm Schwarz kam 1928 aus Metz nach Bremen, wo er 1931 Anna Marquardt heiratete. Nach dem Festsetzungserlass von 1939 konnte er seinen Beruf nicht mehr ausüben und arbeitete als Kraftfahrer für eine Drogerie. Ab 1939 war die Familie in der Findorffstraße 99 gemeldet.  

Eine Nachbarin mit gleicher Adresse erinnerte sich später: „In der Baracke bewohnten sie drei Räume und eine vollständig eingerichtete Küche. Die genaue Anzahl der Betten und der Einrichtungsgegenstände weiß ich nicht“.

 

Aufnahmen aus dem Jahr 1935 zeigen Baracken genau an dieser Stelle. Fotos vom Schlachthof und dem benachbarten Torfhafen aus den Jahren von 1941 bis 1943 konnten bislang nicht ausfindig gemacht werden. Über entsprechende Hinweise würde sich der „Arbeitskreis Erinnern an den März 1943“ freuen. Heute befindet sich an der Stelle die Halle 5 der Bremer Messe.

 

Die Tochter Gertrud arbeitete bei Karstadt. Mindestens drei der Kinder gingen zur Zeit der Deportation im März 1943 auf die Schule an der Gothaer Straße in Findorff, die damals eine Sonderschule war.

 

Das Gebäude gehört heute zur Oberschule Findorff. Obwohl die gesetzliche Grundlage dafür erst mit einem Erlass von 1941 geschaffen wurde, sind Sinti- und Roma-Kinder vielerorts bereits Ende der 1930er Jahre systematisch aus dem Unterricht ausgeschlossen oder in sogenannten „Zigeunerklassen“ von den anderen Schüler:innen getrennt worden. Der Erlass, wonach „Zigeunerkinder“ von der Schule verwiesen werden konnten „soweit sie in sittlicher und sonstiger Beziehung für ihre deutschblütigen Mitschüler eine Gefahr bilden“, wurde im Reichsgebiet unterschiedlich umgesetzt.

Die Deportation

Für Gisela, Albara und Friedrich Schwarz liegen die Schulbescheinigungen vor, die nach dem Krieg für das Amt für Wiedergutmachung ausgestellt wurden. Es ist unklar, wo sich die drei Kinder befanden, als ihre Eltern und Geschwister am 8. März 1943 von der Polizei abgeholt wurden und zum benachbarten Schlachthof gebracht wurden. Belegt ist dagegen, dass in Bremen-Blumenthal am 8. März 1943 der vierzehnjährige Friedrich Bamberger und der elfjährige Hermann Bamberger aus der Schule an der Fresenbergstraße sowie der siebenjährige Karl Bamberger aus der Schule an der Lüder-Clüver-Straße direkt aus dem Unterricht von der Polizei abgeholt und zum Schlachthof transportiert wurden.

Verhaftet wurde im März 1943 auch Anni Schwarz, die als einzige ihrer Familie den Völkermord überlebte und sich später an den Tag erinnern konnte. Anni hatte ab ihrem 7. Lebensjahr bei ihrer Pflegemutter gelebt, vermutlich am Stephanietorsteinweg 99. Sie hatte die Volksschule und die Berufsschule absolviert und wollte Frisörin werden. 

(Gesprochen von Rolf Becker)

Die einzige Überlebende

Anni Schwarz ist nach dem Krieg nur kurz nach Bremen zurückgekommen, um nach Spuren ihrer Familie zu suchen. Diese fand sie 1948  nicht, erfuhr aber von einer Postbotin, die sie zufällig traf, dass die Wohnung ihrer Familie in der Findorffstraße unmittelbar nach der Deportation ausgeräumt worden war.  Als Anni Grimm starb sie am 25. März 2007 in Wolfsburg. 2027 droht das Grab eingeebnet zu werden. Der Arbeitskreis setzt sich dafür ein, dass dies nicht passieren wird.

 

 

Am 8. März 2021 haben wir bei der Gedenkfeier am Kulturzentrum Schlachthof auch die Namen der Familie Schwarz gelesen.

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